Die wichtigsten Tipps und typische Stolpersteine beim Auswandern

Ein umfangreicher Überblick über alle Hürden, die einen erwarten, wenn man seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland verlagert und was man unbedingt beachten sollte, wenn man erfolgreich auswandern möchte.

Wer hat nicht schon mal darüber nachgedacht, die Heimat zu verlassen und in ein anderes Land zu ziehen? Viele träumen von einem besseren Leben im Ausland aber scheuen sich, die Sicherheiten aufzugeben und sich von Freunden und Familie zu entfernen. Andere wiederum lassen sich nicht zweimal bitten: Oftmals stecken bewegende Gründe, wie der Verlust eines Partners hinter einem kompletten Neuanfang, manchmal auch eine besondere Arbeitsstelle oder eine neue Beziehung. Nicht selten aber ist es auch einfach Abenteuerdrang, der die Menschen in die Ferne zieht. Doch wie sieht die Realität im Alltag für Auswanderer tatsächlich aus und wie lässt sich verhindern, an typischen Stolpersteinen zu scheitern?

Vom Urlaub zum Alltag

Nur die wenigsten Auswanderer wagen sich an einen Neuanfang in einem Land, dass sie überhaupt nicht kennen. Das ist auch gut so. Die potenzielle neue Heimat sollte vorab gründlichst und kritisch hinterfragt werden. Eine Orientierungsreise oder ein mehrwöchiger Aufenthalt außerhalb einer schönen Ferienanlage kann viele Facetten aufzeigen, die vorher nicht bedacht wurden. Klimatische Verhältnisse zum Beispiel, die auf Dauer gar nicht mehr so gut vertragen werden oder eine schlechte medizinische Versorgung. Ein längerer Aufenthalt in einer normalen Wohngegend ermöglicht auch abzuschätzen, wie gut die soziale Integration gelingen kann. Nebenbei erfahren Auswanderer von Einheimischen sehr viel mehr, als in Reiseführern und normalen TV-Reportagen beschrieben wird.

Tipp: In vielen Ländern gibt es regelmäßige Treffen und regen Austausch von deutschen Auswanderern. Es lohnt sich meist, mit diesen Gruppen schon vorab in Kontakt zu treten. Viele relevante Dinge, die für Einheimische ganz normal sind und daher gar nicht erwähnt werden, erfahren Sie nur von anderen Auswanderern. Auch Online lassen sich solche Vereine und Facebook-Gruppen finden.

Abhängigkeit durch Arbeitgeber oder Partner

Ein Umzug in ein fernes Land birgt immer Risiken. Auswanderer, die sich dabei abhängig von einem Arbeitgeber oder Partner machen, leben besonders riskant, in eine Stolperfalle zu treten. Wenn eine neue Partnerschaft hinter einem Umzug steckt, sollten auch rechtliche Folgen einer Heirat und eventuell folgenden Kindern genau beleuchtet werden. Sollte die Beziehung nicht halten, wäre es besonders traurig, mit sehr negativen rechtlichen Folgen leben zu müssen. Ähnlich ist es auch bei Umzug aufgrund eines Arbeitgebers. Sollte die neue Arbeitsstelle aus irgendwelchen Gründen nicht mehr tragbar sein, wäre es selbstverständlich eine große Belastung, keine Alternativen zu haben.

Tipp: Achten Sie auf die rechtlichen Folgen eines Arbeitsvertrages oder einer Heirat in einem anderen Land. Lassen Sie sich von einer unabhängigen Fachperson kompetent beraten, am besten ohne Anwesenheit des Partners oder Arbeitgebers. Auch die Botschaft kann kompetente Auskünfte von vertrauensvollen Fachpersonen vermitteln. Prüfen Sie auch die Alternativen die sich Ihnen bieten, sollte es mit dem Partner oder Arbeitgeber nicht funktionieren.

Kosten

Viele Auswanderer verkalkulieren sich großzügig hinsichtlich des Nettolohns, den verpflichtenden Abgaben und Nebenkosten wie Miete und Lebensmittel. Wer sich nicht vorab gründlich über  das benötigte Startkapital und die entstehenden Kosten und Abgaben informiert, riskiert langfristig den Entschluss zum Umzug bereut zu haben.

Tipp: Vertrauen Sie nicht auf Zahlen, die auf einer beliebigen Webseite stehen: Oftmals werden falsche Zahlen hergenommen, vermischt oder die Angaben sind schon längst veraltet. Achten Sie auch auf die Währungsschwankungen. Auch Buchhalter sind eine gute Anlaufstelle.

Abwägung von Pro und Kontra

Voller Vorfreude tendieren viele Auswanderer dazu, die Kontras auszublenden. Besonders wenn Kinder involviert sind, müssen alle Bedürfnisse, Möglichkeiten, Alternativen und Risiken ehrlich bedacht werden. Das Urlaubsgefühl oder Übermaß an Glücksgefühlen in einer neuen Beziehung bleiben selten lange bestehen. Auch in der neuen Heimat wird Alltag eintreten mit vielen Verpflichtungen, ähnlichen Tagesabläufen und normalen Problemen, denen Menschen weltweit begegnen.

Tipp: Stellen Sie sich den Alltag in der neuen Heimat realistisch vor: Das Neue wird zum Gewohnten, viele Tagesabläufe wiederholen sich und echte Freundschaften müssen erst geknüpft werden. Vielleicht vermissen Sie auch Familie und Freunde, die nicht so einfach besucht werden können.

Finanzielle Rücklagen

Ohne ausreichende Rücklagen auszuwandern, ist enorm riskant. Erstmal sind viele Ausgaben mit dem Umzug verbunden. Behördliche Kosten, Kautionen für die Mietwohnung oder Maklergebühren, Auto, Einrichtung, Versicherungskosten, Anwalts- und Übersetzungskosten, Buchhalter und eventuell Schulkosten. Und dann kommt vielleicht noch einmal soviel hinzu für Ungeplantes wie Möbeltransporte, Renovationen, neue Bekleidung, zusätzliche Anmeldegebühren für Telefon, TV, etc.

Tipp: Sorgen Sie unbedingt für genügend Rücklagen, insbesondere auch für den Fall, dass Sie eine gewisse Zeit ohne Einkommen leben müssten. Auch kann es Gründe für einen notwendigen Umzug oder erhöhte medizinische Kosten geben.

Sprachbarrieren

Die beste Vorbereitung für einen gelungenen Start in der neuen Heimat ist es, die Sprache zu beherrschen. Sie ermöglicht echte und unkomplizierte Freundschaften mit Einheimischen. Auch müssen die Briefe verstanden werden, die regelmäßig ins neue Heim flattern und so einige negative Konsequenzen mit sich bringen können, wenn die Inhalte nicht korrekt verstanden werden. Selbst gut gemeinte Übersetzungen von Freunden führen irgendwann zu Missverständnissen.

Tipp: Fangen Sie so früh wie möglich an, die Sprache Ihres neuen Heimatlandes zu lernen. Falls Sie nicht die Zeit oder Möglichkeit haben, einen Sprachkurs in Ihrer Nähe zu besuchen, können Sie auf gute Online-Kurse greifen, die oft auch mit der Möglichkeit verbunden sind, mit einheimischen Sprachlehrern über Skype zu sprechen.

Behördengänge

Besonders am Anfang sind Behördengänge und das Ausfüllen diverser Formulare unerlässlich. Zusätzlich müssen Bankkonten eröffnet werden und diverse Verträge unterschrieben werden. Auch das Kleingeschriebene bedarf besonderer Beachtung, damit keine Missverständnisse und eventuell böse Überraschungen folgen.

Tipp: Sollten Sie die Sprache in Ihrer neuen Heimat nicht hervorragend beherrschen, legen Sie alle Verträge und behördlichen Papiere am besten einem zugelassenen Übersetzer vor. Sie schützen sich damit vor vielen Unklarheiten und eventuellem Betrug. Partner oder Freunde sind als Übersetzer nicht zu empfehlen, da der Teufel trotz guter Absichten, oft im Detail steckt.

Fehlende Sozialkontakte

Neue Freunde zu finden, ist in einem neuen Land nicht immer so einfach, wie es scheint. Besonders, wenn die Sprachkenntnisse für lockere Gespräche nicht ausreichen. Da kann das Heimweh doch manchmal auftauchen.

Tipp: Schmeißen Sie sich unter die Leute, – nicht nur am Arbeitsplatz oder innerhalb des Freundeskreises Ihres Partners. Machen Sie auch eigene Freunde. In sportlichen oder kreativen Vereinen lassen sich meist schnell Kontakte knüpfen.

Berufliche Anerkennung und Weiterbildung

Um sich vor eventuellen Strafen oder einer Langzeit-Arbeitslosigkeit zu schützen, sollte abgeklärt werden, ob die abgeschlossene Ausbildung in der Wahlheimat überhaupt anerkannt ist. Dies gilt besonders für Gesundheitsberufe aber auch bei selbständigem Erwerb. Manche Berufe, die in Deutschland anerkannt sind, – beispielsweise Heilpraktiker, sind in manchen Ländern sogar verboten. Andere wiederum bedürfen einer Sondergenehmigung.

Tipp: Prüfen Sie Ihre beruflichen Chancen gründlich und achten Sie auf Weiterbildungsmöglichkeiten, die Ihnen vor Ort zur Verfügung stehen. Mittlerweile gibt es auch gute Fernstudiengänge wie beispielsweise bei der Open University in England oder Fernuni Hagen in Deutschland. Besonders aber sollten Sie sich mit der Qualität und Anerkennung der Schulen sowie Ausbildungsmöglichkeiten auseinandersetzen, wenn Kinder mit in die neue Heimat reisen. Eine oft gute aber auch teure Alternative ist die International School, die in vielen Ländern vertreten ist.