Eigenes Hotel, Gästehaus oder Airbnb im Ausland eröffnen und führen

Die Idee, im Ausland ein eigenes Hotel, Gästehaus, Airbnb oder auch ein Bed & Breakfast zu eröffnen, fasziniert viele Auswanderungswillige und nicht wenige Quereinsteiger der Branche haben das mit unterschiedlichem Erfolg auch tatsächlich durchgeführt.

Der Artikel soll insbesondere Neulingen die Risiken, Möglichkeiten und interessante Alternativen aufzeigen, damit das Projekt langfristig zum Erfolg führen kann. Durch den Boom von Airbnb ist es heutzutage so einfach wie noch nie  sein Bed & Breakfast oder eine ganze Wohnung zu vermieten. So kann man seine Ferienwohnung oder sein Ferienhaus lukrativ einsetzen, wenn man es nicht gerade selbst nutzt. Manch einer zieht sogar in Erwägung sich alleine aus diesem Grund eine Ferienwohnung im Ausland zu kaufen, um diese mit Airbnb zu vermieten.

Unterschiede erkennen und gezielt abwägen

Die Anforderungen, welche mit der Eröffnung und Führung einer Unterkunft gestellt einhergehen, sind je nach Art der Betriebsstätte sehr unterschiedlich. Diese Differenzen betreffen insbesondere jeweilige Zulassungen, nötige Versicherungen sowie die Verantwortlichkeiten hinsichtlich Buchhaltung, rechtlichen Bestimmungen, Kunden- und Buchungsmanagement sowie Personal, Gastronomie und Marketing.
Besonders Neulinge der Branche dürfen die Aufwendungen und Verpflichtungen nicht unterschätzen und sind gefordert, sich intensiv mit den geforderten Themen auseinanderzusetzen. Zwar gibt es weitere Unterkunftsarten wie Jugendherbergen, Campingplätze und rein auf die Gastronomie bezogene Unternehmen welche viele Gemeinsamkeiten aufweisen, jedoch konzentrieren wir uns in diesem Artikel auf die drei meist gebuchten Unterkunfts-Typen.

Tipp: Die Konkurrenz-Analyse ist nur einen Mausklick entfernt. Begeben Sie sich in die Fußstapfen eines Urlaubers und suchen Sie bei den verschiedenen Hotel-Plattformen, eBay Kleinanzeigen, Airbnb usw. nach passenden Angeboten. Bei Booking und Airbnb können Sie sogar sehen bis wann ein bestimmtes Zimmer ausgebucht ist. Dies gibt Ihnen einen guten ersten Einblick, wie beliebt ein bestimmter Ort und eine bestimmte Zimmerart ist.

Das Bed and Breakfast & Airbnb

Der Begriff Bed & Breakfast kommt aus dem Englischen und bezeichnet meist ein Bett in einer Privatunterkunft, wobei das Frühstück inkludiert ist. Für komplette Einsteiger ist ein B&B die sicherste Variante, welche durch die Inhaberschaft das geringste finanzielle Risiko birgt. Doch Vorsicht: Erkundigen Sie sich an der zuständigen Stelle über die nötigen Zulassungsbestimmungen und Anforderungen unbedingt früh genug. Auch die Eröffnung eines B&B kann je nach Land einige Hürden mit sich bringen.
Vorteile: Die rechtlichen und fachlichen Voraussetzungen ein B&B zu führen, sind weitaus geringer als bei einem Gästehaus oder Hotel. Die Ansprüche der Gäste, die in einem B&B übernachten sind auch ebenfalls meist geringer, sodass Sie auch ohne mehrjähriges Studium und vorherige Praxis ein beliebter und somit oft gebuchter Gastgeber sein können. Sie stehen im direkteren Kontakt mit Ihren Gästen und überzeugen durch Ihre persönliche Gastfreundschaft und Sauberkeit. Mit Gespür für Ästhetik und einem klaren Konzept, lassen sich kostengünstig und effizient Konkurrenzvorteile schaffen.
Nachteile: Je nach Lage, Konzept und Preiskategorie sind viele Gäste zwar in vielerlei Hinsicht weniger anspruchsvoll, leider aber auch weniger sensibel betreffend Lautstärke, eingebrachtem Schmutz und dem Umgang mit Ihrem Inventar. Sie müssen auch für ein B&B stets erreichbar sein, für frisches Frühstück sorgen und Zimmer reinigen. Ausnahmslos. Krankheiten oder sonstige Unpässlichkeiten schützen nicht vor schlechten Bewertungen in wichtigen Online-Portalen wie beispielsweise Booking.com oder Airbnb.com, die sehr bedeutend für Ihre Buchungen sind. Ihre bisher geschätzte Privatsphäre kann bei der Vermietung von Privatzimmern ebenfalls beträchtlich leiden.
Tipp: Eignen Sie sich viel Wissen der Branche an und wählen Sie Ihren Standort mit Bedacht. Ein Gespräch mit örtlichen Reiseveranstaltern und dem Tourismusbüro hilft abzuschätzen, ob Ihre Adresse tatsächlich Potenzial für genügend Gäste hat. Diese Anlaufstellen kennen auch künftige Tendenzen und haben garantiert wichtige Hinweise, die Sie bei Ihren Überlegungen integrieren können.

Das Gästehaus

Im Gegensatz zum Hotel bieten Gästehäuser Mahlzeiten, wenn überhaupt, nur eigenen Gästen. Dabei muss ein Gästehaus weit mehr Anforderungen erfüllen, wie beispielsweise ein B&B. Mit mehreren Betten ermöglicht dieser Unterkunfts-Typ bei entsprechender Auslastung fixes Personal, welches Sie in routinemäßigen Arbeiten unterstützten kann.
Vorteile: Mit guter Bettenauslastung und daher finanzierbarem und zuverlässigem Personal, lassen sich einfacher spontane Urlaube oder freie Tage planen. Je nach Raumplanung und ob Sie mit im Gästehaus wohnen, genießen Sie auch mehr Privatsphäre als beispielsweise in einem B&B. Wenn Sie den richtigen Standort wählen und ein stimmiges Konzept haben, arbeiten Sie primär in kontrollierender und planerischer Funktion.
Nachteile: Die finanziellen Investitionen, Wartungs- und Personalkosten, Einkauf und dergleichen erfordern größere buchhalterische Fähigkeiten und Planungsgeschick. Von Gästen wird ebenfalls mehr Professionalität als bei einem B&B erwartet. Gibt es Schwachpunkte, schlagen sich diese leider sehr schnell in Bewertungsportalen nieder, was mit einem rasanten Abfall von Buchungen einhergeht.
Tipp: Sorgen Sie vor der Übernahme eines eigenen Gästehauses unbedingt vorab für praktische Erfahrung und setzen Sie sich intensiv mit Buchungsportalen, Administrationsfähigkeiten und Finanzplanung auseinander.

Das Hotel

Hotels müssen eine Rezeption aufweisen, tägliche Zimmerreinigung inkludieren, ein Restaurant haben und sollte meist über 20 Zimmer verfügen. Die Verantwortlichkeiten, die sich aus dem Besitz eines Hotels ergeben sind sehr weitreichend und bedürfen je nach Größe der Anlage, komplexer Überwachungsprozesse. Ohne weitreichende praktische Erfahrung ist Quereinsteigern von der Eröffnung eines Hotels daher eher abzuraten.
Tipp: Eine interessante Alternative ist jedoch eine Anstellung als Hotelmanager oder Betriebsleiter wie weiter unten ausführlicher beschrieben, da Sie hier in bereits bestehende Prozesse mit qualifiziertem Personal einsteigen.

Gesetzliche Bestimmungen und Zulassungen

Der erste wesentliche Schritt zur Realitätsprüfung ist die Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen Tourismusverband, welcher oft auch zuständig für entsprechende Zulassungen ist und über die Anforderungen der jeweiligen Unterkunftstätten informiert. An dieser Stelle ist der Vermerk auch wichtig, dass in einigen Ländern der Kauf von Immobilien von Ausländern mit großen Einschränkungen verbunden oder gar nicht möglich ist. Allerdings gibt es sehr interessante Alternativen, die weiter unten beschrieben sind.

Mit guter Planung zum Erfolg

Eine Niederlage des Projekts oder mindestens ein enorm hohes Lehrgeld ist vorbestimmt, wenn Sie sich nicht wirklich eingehend mit den Verpflichtungen und Anforderungen auseinandersetzen, die mit der Führung einer Unterkunft verbunden sind. Im Wesentlichen müssen Sie sich vorab folgendes Wissen aneignen: Hotelmanagement und damit verbunden: Buchhaltung, zutreffendes Steuerrecht, Reiserecht, Offline- und Online Marketing, Einkauf, Buchungssysteme, Personalmanagement, Gastronomie und nötige Zulassungen, – insbesondere auch bei Ausschank von alkoholischen Getränken.

Die sichere Alternative für Quereinsteiger

Aneignung von Fachwissen

Die schöne Nachricht: Es gibt durchaus sehr interessante und realistisch umsetzbare Möglichkeiten, im Ausland auch ohne ein mehrjähriges Studium oder enormen finanziellen Investitionen, den Traum ein Hotel, Gästehaus oder B&B zu führen, wahr werden zu lassen.
Theoretisches Wissen: Lesen Sie viele Fachbücher, insbesondere zu Themen: Hotelmanagement, Tourismusmarketing, SEO und erwägen Sie, einen Fernlehrgang zu absolvieren.
Praktische Erfahrung: Es gibt einige Portale wie beispielsweise HelpX.net, wo Sie aus fast allen Ländern dieser Welt Angebote für Freiwilligenarbeit in unterschiedlichen Beherbergungsbetrieben angeboten bekommen. Einige Betriebe suchen richtige Allrounder, die gegen kostenlose Unterbringung und Mahlzeiten diverse Arbeitsmöglichkeiten in Gästehäusern und Hotels anbieten. Weitere Bezahlung gibt es dabei meistens nicht. In vielen Fällen können auch Paare gemeinsam antreten, oft ist das sogar ausdrücklich erwünscht.
Bei entsprechendem Engagement, die richtigen „Arbeitgeber“ für diese Freiwilligenarbeit zu finden, erhalten Sie die Möglichkeit, viel wertvolle praktische Erfahrung und Insiderwissen in verschiedenen Betrieben zu machen. Da es sich hierbei fast immer um unbezahlte Arbeit handelt, die selten ordentlich angemeldet wird, erkundigen Sie sich vorab über Einreisebestimmungen, Visa, mögliche Aufenthaltsdauer und Erhalt eines Arbeitszeugnisses. Ein Praktikum im Bereich Hotelmanagement in luxuriösen sowie bekannten Hotelketten ist leider in den meisten Fällen Studenten bestimmter Hotelfachschulen vorbehalten.

Pacht

Einige Hotel- und Gästehausbesitzer suchen Pächter. Verantwortlichkeiten und wirtschaftliches Risiko verbleiben je nach Pachtvertrag beim Eigentümer. Die größten Vorteile haben Sie dadurch, dass das ganze Inventar und etwaiges Personal oft bereits zur Verfügung steht und Sie die Zahlen der letzten Jahre hernehmen können, um den künftigen Erfolg besser abschätzen zu können. Mit entsprechendem Fachwissen über Vermarktungsmöglichkeiten und etwaigen Verbindungen zu Reiseveranstaltern, können Sie bessere Prognosen stellen.
Tipp: Die Verantwortlichkeiten, Zahlungen, Umsatzbeteiligungen sind sehr unterschiedlich geregelt. Bei Interesse empfehlen wir Ihnen, sich eingehend zu informieren.

Anstellung als Hotelmanager oder Betriebsleiter

Viele Leser wird es verwundern zu erfahren, dass Positionen eines Hotelmanagers oder Betriebsleiters oft weniger Studienabschlüsse und praktische Erfahrung verlangen als z. B. für einen Office-Manager des Hotels. Was Sie jedoch unbedingt benötigen um realistische Chancen für den Job als Hotelmanager oder Betriebsleiter zu erhalten, sind praktische Erfahrung sowie idealerweise einen beruflichen Background, welche die gestellten Anforderungen stützt. Zusätzliche Abschlüsse (notfalls auch durch Fernlehrgänge), gepflegtes Erscheinungsbild, guter Umgangston und Erfahrung im Office-Management und in der Personalführung sind wünschenswert.
Oft werden gar Gastgeber-Ehepaare gesucht, welche eher repräsentative und kontrollierende Funktionen übernehmen. Quereinsteiger die sich für die Hotellerie interessieren und dabei auf große finanzielle Risiken verzichten möchten, sind gut beraten, sich mit diesen Möglichkeiten zu beschäftigen.
Tipp: Sie Suche bei Google & Co. nach derartigen Jobausschreibungen auf Englisch und Deutsch offenbart vielfältige Möglichkeiten wie beispielsweise Anstellungen auf den Malediven, an der Küste Italiens oder auch auf Berggipfeln in der Schweiz.

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