Digitale Nomaden: Was man beachten sollte, bevor man seinen Job kündigt

Wie Digitale Nomaden alle paar Monate in einem neuen Land Fuß fassen und scheinbar nebenher arbeiten.

Selbstbestimmt leben und arbeiten ist für viele ein Traum. Kein Micromanagement vom Chef, keine Unterordnung von nervigen Kunden, kein Zwang von 9 – 17 Uhr im Büro zu sein und Wochen darauf zu warten, dass der Chef den Urlaub genehmigt. Sogenannte digitale Nomaden sind entweder selbstständig oder leiten ihr Online-Business von einem Laptop aus und nutzen ihre Freiheit in vollen Zügen aus. So kann es gut sein, dass man drei Monate in Thailand verbingt weitere drei auf Bali, den Sommer in Deutschland verweilt und den Rest des Jahres in einem anderen warmen Land abklingen lässt. Einfach so mit dem Laptop in den Flieger zu steigen und vom Strand aus zu arbeiten ist dann doch leichter gesagt als getan. Auslandskarriere beleuchtet die wichtigsten Aspekte, die man gründlich überdenken sollte, wenn man mit dem Gedanken spielt ein Digitaler Nomade zu werden und kurz davor steht seinen Job zu kündigen.

An den schönsten Orten der Welt leben – oder da wo es günstig ist

Rumreisen und die Welt erkunden ist toll. Leider ist das ganze in den meisten Fällen mit erheblichen Kosten verbunden, die einkalkuliert werden müssen. Viele digitale Nomaden nutzen daher die Geoarbitrage Vorteile. Dies bedeutet, dass Sie in einem wirtschaftlich stärkeren Land oder Währung ihr Einkommen erzielen und in einem Land mit erheblich niedrigeren Lebenshaltungskosten wohnen. Besonders Südostasien ist sehr beliebt bei digitalen Nomaden, da es sich hier relativ günstig lebt. Viele Digitale Nomaden teilen sich ihr Jahr auch wie bei Eat Pray Love in zwei Länder mit niedrigen und ein Land  mit teureren Lebenshaltungskosten auf. Wenn man alle paar Monate den Ort wechselt, dann bedeutet dies auch, dass man ständig auf der Suche nach günstigen Flügen und geeigneten Unterkünften sowie Co-Working Spaces ist. Es stellt sich also nicht nur die Frage, welches Land zu einem passt, sonder auch wie einfach oder schwer es ist dort überhaupt hinzukommen.

So lange an einem Ort bleiben so lange das Visum gültig ist

Warum bleiben die meisten digitalen Nomaden nur drei Monate im Schnitt in einem Land? Die meisten Touristenvisums sind in der Regel nur drei Monate gültig. Wer länger bleiben will kann entweder ausreisen und wieder einreisen, sich erkundigen ob eine Verlängerung direkt vor Ort möglich ist oder muss sich nach anderen Visumsmöglichkeiten umschauen. Die meisten Digitalen Nomaden merken schnell, dass man zwar die Freiheit hat, sich dort niederzulassen wo es einem gefällt, allerdings kann das ständige herumreisen auch ganz schön anstrengend werden.

Arbeitsroutine und Konzentration

Bei der Selbstständigkeit fällt das Geld natürlich nicht von den Bäumen und man muss in den meisten Fällen Akquise betreiben um überhaupt an einen Auftrag zu kommen. Gerade in der Anfangszeit ist es wichtig, dass man sich ganz auf die Arbeit konzentriert, um entweder einen Kundenstamm aufzubauen oder gute Rezesionen in Freelancer-Portalen zu sammeln. Hat man bereits Erfahrung gesammelt fällt es einem leichter zu bestimmten, wie viel Geld man für einen Auftrag verlangen kann und weiß wie man an neue Aufträge kommt oder wie man die Zeit überbrückt bis man passives Einkommen mit einem eigenen Online-Business erwirtschaften kann. Wer an einen Auftrag gebunden ist und eine Deadline hat, der muss sich natürlich auch daran halten, kann seine Zeit aber frei einteilen. Man kann also zum Beispiel morgens schwimmen oder surfen gehen und abends produktiv sein oder alle Aufgaben ganz früh erledigen und den Rest des Tages freinehmen.

Sich hinsetzen und loszuarbeiten ist bei selbstständigen Arbeiten nicht immer einfach. Nicht jeder kann in demselben Raum in dem man auch schläft arbeiten und der private Laptop ist bei den meisten voll mit Ablenkungsmanövern, die einen vom Arbeiten abhalten können. Um in den “Work-Mode” zu kommen, gehen viele digitale Nomaden in sogenannte Work-Spaces, die man für einen Tag, mehrere Wochen oder sogar Monate mieten kann. Ein gutes Co-Working Space verfügt über stabiles Internet, externe Monitore, eine Kaffeemaschine und alles was man zum Arbeiten braucht. Zudem kann man sich in einem Co-Working Space mit anderen Selbstständigen austauschen und arbeitet nicht ganz alleine in einer Höhle ohne menschlichen Kontakt. Da eine Freelance-Tätigkeit auch oftmals das Privat- und Arbeitsleben vermischt, sollte man von Anfang an versuchen dies klar zu trennen, da man sonst Gefahr läuft rund um die Uhr zu arbeiten.

Freelancer oder eigenes Online-Business

Die meisten digitalen Nomaden starten ihre Reise als Freelancer, merken aber schnell, dass das Arbeiten auf Auftragsbasis eine gewisse Abhängigkeit bedeutet. Sich ständig um neue Aufträge zu bemühen ist fast so als ob man sich täglich um einen neuen Job bewerben muss. Dies kann auf Dauer anstrengend sein und zudem zeitaufwendig ohne Einkommen zu generieren. Es ist daher wichtig nicht alle Eier in einen Korb zu legen und sich mehrere Einkommensströme gleichzeitig oder nacheinander aufzubauen. Dies schafft mehr Sicherheit und mehr Einkommen. Inspiration zu Jobs, die man ortsunabhängig machen kann, finden Sie hier.

Minimalismus, Ausmisten und Gegenstände unterbringen

Wer von einem Ort zum anderen reist, der kann nur das allernötigste mitnehmen. Wer es wagt digitaler Nomade zu werden, muss also erst einmal radikal ausmisten. Die meisten Sachen, die man Zuhause rumliegen hat, braucht man sowieso nicht tagtäglich, dennoch kann es einem schwerfallen sich von materiellen Gegeständen zu lösen. Vieles kann man verkaufen, andere Gegenstände nur entsorgen. Wer schon einmal eine ganze Wohnung oder sogar ein ganzes Haus ausgeräumt hat, der weiß wie schwer so etwas fallen kann. Sachen von denen man sich auf gar keinen Fall lösen kann, können bei Verwandten untergestellt oder in gemieteten Containern eingelagert werden. Wer Digitaler Nomade sein will, muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass man nur mit dem Nötigsten reisen sollte und von nun an keine ausgiebigen Shopping-Touren mehr machen kann ohne genau zu überlegen, ob man ein Teil wirklich braucht oder ob es viel zu viel Platz im Gepäck einnimmt.

Ausstattung und ein digitales Büro

Ein verlässlicher Laptop, der nicht allzu viel wiegt, darf in keinem Fall fehlen. Zudem benötigt man eine externe Festplatte, um alle wichtigen Daten zu sichern. Ein gutes Smartphone darf natürlich auch nicht fehlen. Eine stabile Internetverbindung ist das allerwichtigste, um mit Kunden in Kontakt zu treten und neue Auftäge zu verhandeln. Wer vorab weiß, dass die Internetverbindung in einem Land nicht besonders gut sein sollte, dann kann man sich auch einen Internetstick zulegen und Internet mit einer lokalen Sim-Karte verwenden.

Einsamkeit und importierte Probleme

Um die Welt reisen und machen was man will, hört sich zunächst spannend an, dennoch muss man bedanken, dass man gewisse Probleme nicht abschütteln kann. Auch wenn man beim Reisen viele neue Leute kennenlernt, bleiben viele Kontakte nur sehr oberflächlich. Daher ist es sehr wichtig sich ein soziales Netzwerk vor Ort aufzubauen und Kontakt zu Familie und Freunden zu halten. Am einfachsten ist es mit anderen digitalen Nomaden in Kontakt zu treten und zu einem Co-Working Space oder Veranstaltungen zu gehen.

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